Indikationen zur hyperbaren Sauerstofftherapie
(in Revision)
Die Indikationen zur hyperbaren Sauerstofftherapie wurden in den SIMSI/SIAARTI-Leitlinien von 2007 und auf den Konsensuskonferenzen des Europäischen Komitees für Hyperbar-Medizin (ECHM) festgelegt .
Die Sanitätseinheiten von Bozen und Trient, ebenso wie auch andere nazionale Sanitätseinheiten haben eine Liste erstellt von den Erkrankungen, die sie subventionieren.
Die Wirksamkeit der hyperbaren Sauerstofftherapie ist in der wissenschaftlichen Fachliteratur durch Versuche und klinische Arbeiten belegt.
Die ECHM-Konsensuskonferenzen haben folgende Therapieanwendungsempfehlungen auf der Grundlage einer von einer internationalen, aus Experten und Meinungsführern bestehenden Jury erarbeiteten Werteskala ausgesprochen, damit der HBO die richtige Bedeutung beigemessen wird:
Empfehlungen des 1. Typs (Kategorie 1)
Empfehlungen oder Standarts die auf einer starken Evidenz basieren.
[wpspoiler name=”Kohlenmonoxydvergiftung” ]Beim Einatmen von Kohlenmonoxyd (CO) treten unterschiedliche Symptome auf, die von Übelkeit und Erbrechen bis zu schwereren neurologischen Symptomen wie Ohnmacht, Koma und Tod reichen. Versehentliches oder gewolltes Einatmen von Kohlenmonoxyd bedingt eine starke direkte Verbindung zwischen diesem giftigen Gas und dem Hämoglobin, den (in den Mitochondrien aller Zellen mit Zellkern enthaltenen) Zytochromen und dem Myoglobin. Diese Verbindung konkurriert mit dem Sauerstoff und führt zu Störungen bei Sauerstofftransport, -verteilung und –verwendung, sowie zu Funktionsstörungen der Herz- und Skelettmuskelfasern. Das daraus folgende hypoxische bzw. anoxische Syndrom ist oft tödlich, wobei die Schwere der Krankheit von der CO-Expositionszeit und der CO-Konzentration im Raum abhängt. Der hyperbare Sauerstoff zerstört die starke Verbindung zwischen dem Kohlenmonoxyd und den Proteinen (Hämoglobin, Zytochrome, Myoglobin) und stellt die Sauerstoffversorgung wieder her, die das Gehirn vor anoxischen Schädigungen mit etwaigen verzögert auftretenden neurologischen Folgeschäden (delayed neurological sequelae – DNS) bewahrt und eine regelmäßige Herztätigkeit fördert. Der Blutwert der an das Hämoglobin gebundenen CO-Menge (COHb) hat eine rein diagnostische, aber keine prognostische Bedeutung und ist kein Hinweis auf die Schwere der Vergiftung. Die Therapiedauer variiert, und es gilt nicht als sinnvoll, die Therapie nach der fünften Sitzung fortzusetzen.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Quetschveletzungen und Kompartment-Syndrom” ]Eine akute traumatische Ischämie mit Absterben der Weichgewebe und des Knochens mit mehr oder weniger großen sauerstoffminderversorgten Bereichen tritt nach einem schweren Gewebetrauma ein, wenn damit das Kompartmentsyndrom und eine vaskuläre Schädigung verbunden sind.
Neben dem akuten vaskulären Schaden, der, wenn er nicht behoben wird, zu schweren bleibenden neurologischen Schädigungen führen kann, hat die Quetschung einer Gliedmaße häufig chronische Komplikationen zur Folge, wie z. B. schwierige Narbenbildung mit auftretenden chronischen, langsam heilenden Hautgeschwüren und Knocheninfektionen (Osteomyelitis), die beide eine geringe Sauerstoffversorgung der betroffenen Gewebe gemein haben. Ziel einer sofortigen und rechtzeitigen Anwendung der HBO in dieser kompartimentalen Stresssituation ist die Steigerung des Sauerstoffpartialdrucks im Gewebe, die Reduktion des vasogenen Ödems und die Abgrenzung der vitalen von den nekrotischen Bereichen, so dass die Makrophagenaktivität gefördert wird.
Die Indikation zur hyperbaren Sauerstofftherapie ist in Verbindung mit einer chirurgischen Behandlung und Antibiotika-Therapie zwingend, wobei der Zeitfaktor zur Verhinderung der Azidose und des Zelltodes eine wichtige Rolle spielt. Für die Indikation zur HBO ist zu berücksichtigen, welche Art von Trauma vorliegt (Niedrig-, Hochenergietrauma), ob eine Gliedmaßenischämie vorliegt oder nicht, wie lang diese schon dauert, ob ein Substanzverlust vorliegt, wie die hämodynamische Kompensation des Patienten beschaffen und wie alt der Patient ist. Eine häufige Beurteilung des Patienten ist erforderlich, um die richtige HBO-Therapie zu beschließen, sowie eine etwaige erneute Einschätzung durch den Orthopäden oder den Gefäßchirurgen beim Auftreten von Infektionen (Osteomyelitis) oder akuten ischämischen Komplikationen (die mit Hilfe der transkutanen Oxymetrie bewertet werden können). Die HBO-Therapie kann bei schwerer Verletzung der Weichgewebe an den ersten 5-6 Tagen auch zweimal täglich erfolgen.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Strahlenverletzungen” ]Eine Erkrankung der Weichteile und Knochen nach einer Strahlentherapie. Häufigste Krankheitsbilder sind Hautgeschwüre mit träger Entwicklung, Osteoradionekrose des Unterkiefers und anderer Knochensegmente, Darmentzündungen, Enddarmentzündungen und postaktinische Zystitis. Diese Krankheitsbilder können zur Amputation von Gliedmaßen, zur Zerstörung des Unterkiefers, zur Prothesierung eines Gelenks und zur Notwendigkeit von zerstörenden Eingriffen an Blase, Kolon und Dünn- und Dickdarm des Patienten führen. Eine Bestrahlung bedingt nämlich eine verminderte Vaskularisation, verminderte Zellaktivität, Gewebehypoxie und eine Hemmung der lokalen Gewebereparaturprozesse. Daraus ergibt sich der Nutzen einer hyperbaren Sauerstofftherapie bei dieser Erkrankung. Die angiogenetische Wirkung der HBO-Therapie erklärt zusammen mit der Anregung der Gewebereparatur und der antibakteriellen Aktivität die weit verbreitete Indikation zur HBO-Behandlung bei Schäden durch Strahlentherapie.
Hautgeschwüre werden ähnlich therapiert wie Hautgeschwüre mit vaskulärer Ursache. Auch in diesem Fall kann die transkutane Oxymetrie bei der Auswahl der Patienten mit einer Indikation zur hyperbaren Sauerstofftherapie und bei der Bestimmung der therapeutischen Wirksamkeit entscheidend sein. Die lokale Behandlung erhält beachtliche Bedeutung.
Eine chirurgische Rekonstruktion müsste erfolgen, nachdem das Gewebe wieder normal mit Sauerstoff versorgt wird, was mit Hilfe der HBO erreicht werden kann. Bei einer Knochennekrose des Unterkiefers kann die Therapie vor der Sequestrektomie oder der partiellen Resektion des Unterkiefers erfolgen und den Patienten auf die Rekonstruktion mit Knochentransplantation vorbereiten. Eine vor der Zahnextraktion an Patienten, die wegen Neoplasien am Kopf und am Hals bestrahlt wurden, durchgeführte Therapie kann dem Auftreten einer Osteonekrose am Kiefer vorbeugen.
Bei Enddarmentzündungen oder postaktinischer Zystitis wird die hyperbare Sauerstofftherapie eingesetzt, um eine Kontrolle und Behebung der Rektalblutung oder der Makrohämaturie zu erzielen. Bei Strahlenverletzungen sind durchschnittlich 40-60 Sitzungen erforderlich.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Dekompressionskrankheit” ]Ein Syndrom mit verschiedenen klinischen Manifestationen und unterschiedlichem Verlauf, das dadurch verursacht wird, dass sich der Patient von einer Umgebung mit höherem Druck in eine Umgebung mit niedrigerem Druck begibt. Der Hauptfaktor, der diese Krankheit bedingt, ist eine unangemessene Dekompression, die mit abnehmendem Druck dazu führt, dass Inertgase (im allgemeinen Stickstoff) im flüssigen Zustand in ihren gasförmigen Zustand übergehen. Während eines Tauchgangs wird das Gas im Gewebe bis zur Sättigung gelöst, und wenn der Umgebungsdruck abnimmt, kommt es zur Blasenbildung. Die Krankheit macht sich häufig nicht sofort bemerkbar. Die Symptome (leichte: Gelenkschmerzen, Juckreiz – schwere: Befall des Nervensystems, von einfachen Kopfschmerzen bis zur progressiven Lähmung) können bis zu 24-36 Stunden nach dem Tauchgang auftreten. Dekompressionsbedingte Unfälle sind echte medizinische Notfälle, und die erste therapeutische Maßnahme ist die Rekompression in der Druckkammer, die sehr schnell in einem eigens ausgestatteten Zentrum für Hyperbar-Medizin erfolgen muss. Die HBO ist notwendig, um die Sauerstoffversorgung der durch die Gasembolie ischämisch gewordenen Gewebe zu verbessern, Ödem zurückzubilden und damit den Krankheitsverlauf positiv zu verändern. Schwerere Unfälle werden mit Tabellen für den Einsatz von reinem Sauerstoff bei mäßigem Druck (Tabelle 6 US Navy) oder mit Hochdrucktabellen (Comex CX30) behandelt. Leichtere Unfälle können mit Tabellen für den Einsatz von reinem Sauerstoff (US Navy) behandelt werden. Die Behandlungsrichtlinien nach der anfänglichen Rekompression (Konsolidierungstherapie) müssen maximal 10 HBO-Sitzungen bzw. die Fortsetzung der Therapie bis zur Stabilisierung des Krankheitsbildes vorsehen.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Arterielle Gasembolie” ]Beim Tauchen handelt es sich bei der arteriellen Gasembolie um eine akut auftretende, oft schwere Erkrankung, die durch eine plötzliche Zunahme der Gasmenge in der Lunge und eine plötzliche Zunahme des von der Lunge ausgeübten Drucks ausgelöst wird. Dadurch platzen die Lungenbläschen, und Luft gelangt in die Blutbahn. Die Gasembolie kann beim Tauchen durch ein Barotrauma der Lunge bzw. durch einen verkannten Vorhofseptumdefekt ausgelöst werden, der dazu führen kann, dass Luftblasen direkt ins Kreislaufsystem eindringen. Bei vom Arzt verursachten Krankheitsbildern ist sie die Folge des Eindringens von Gas in den Blutgefäßkreislauf, die als arterielle Embolie eingestuft werden kann, wenn die Stelle, an der das Gas eindringt, hinter dem Lungenfilter liegt, als venöse Embolie, wenn die Stelle, an der das Gas eindringt, vor dem Lungenfilter liegt, und als gekreuzte oder paradoxe (gemischte) Embolie, wenn der Embolus aus den Venen stammt und in den Arterienkreislauf gelangt. Dazu kann es nach chirurgischen Eingriffen, invasiven diagnostischen Maßnahmen, Kanülierung von Gefäßen und extrakorporaler Zirkulation kommen.
Dringt Luft in den Blutkreislauf ein, kommt es zu Embolisation der Gehirnarterie, akuter Herzinsuffizienz, Schock, Koronarembolisation und schweren neurologischen Veränderungen bis zum Herzstillstand. Zweck der HBO-Therapie ist die Verringerung der Blasenmenge und die Verbesserung der Sauerstoffversorgung der hypoxischen Gewebe.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Gasbrand” ]Eine schwere, oft fulminante und tödliche Infektion, die überwiegend durch ein anaerobes Bakterium der Spezies Clostridium (Clostridium Perfrigens) verursacht wird, das Muskelgewebe angreift (Myositis, Myonekrose) und dazu neigt, schnell den gesamten Körper zu befallen. Oft können die Schmerzsymptome bei Krankheitsausbruch nicht das lokale septische Krankheitsbild spiegeln, und die Erkrankung schreitet sehr schnell voran, innerhalb weniger Minuten oder Stunden. Jede therapeutische Maßnahme muss sehr schnell greifen, damit ein septischer Schock vermieden und der chirurgische Eingriff nicht so zerstörerisch ist. Die HBO wird wegen ihrer unmittelbar antibakteriellen Wirkung, zur Steigerung der tötenden Wirkung der polymorphkernigen Leukozyten, wegen der abgrenzenden Wirkung zwischen vitalem und bereits nekrotischem Gewebe und der regenerierenden Wirkung, die ausgelöst werden kann, eingesetzt.
An den ersten drei Tagen ist es sinnvoll, die in der klinischen Situation zulässige Höchstdosis an Sauerstoff anzuwenden. Ab dem vierten Tag können die Behandlungen je nach klinischem Verlauf täglich oder zweimal täglich erfolgen, bis die Infektion als überwunden gilt. Die Therapievorgaben sind durch eine chirurgische Behandlung, die vor der HBO erfolgen sollte, sowie durch Medikation, chirurgische Wundtoilette und Antibiotika zu ergänzen.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Schwere Weichteilinfekte” ]Akute, durch Infektionen verursachte Erkrankungen, in deren Verlauf es zur Entzündung und Nekrose der Haut und Unterhaut (fortschreitende bakterielle Cellulitis) und des Muskelstrangs (nekrotisierende Fasziitis) kommt. Die Fournier-Gangrän ist eine nekrotisierende Fasziitis der Perinealregion. Diese Erkrankungen sind durch eine örtliche Sauerstoffmangelversorgung bedingt, die die Funktion der polymorphkernigen Leukozyten entscheidend behindern und zur Ausbreitung und Generalisierung einer lokalen Infektion führen kann. Dies mindert zusammen mit der Anhäufung giftiger Kataboliten das Redox-Reaktionspotenzial, was anaerobe Superinfektionen auslösen kann. Oft sind die Krankheitsbilder mit einer systemischen septischen Kompromittierung verbunden. Eine nekrotisierende Fasziitis ist nach den Vorgaben für den Gasbrand zu behandeln. Für die übrigen Infektionen sind 20-40 HBO-Sitzungen vorgesehen. Die Therapie ist durch eine chirurgische Behandlung, Medikation, chirurgische Wundtoilette und Antibiotika zu ergänzen.[/wpspoiler]
Empfehlungen des 2. Typs (Kategorie 2)
Empfehlungen oder Standarts die auf einer starken Evidenz basieren.
[wpspoiler name=”Gangrän und Hautgeschwüre bei Diabetikern” ]Eine Erkrankung, die überwiegend den Fuß von Diabetikern befällt und von einem oberflächlichen Geschwür zur Infektion und Zerstörung der tiefen Gewebe führt. Damit verbunden ist eine (somatische und autonome) Neuropathie und/oder eine arterielle Verschlusskrankheit, sie ist die Hauptursache für größere Bein- und Oberschenkelamputationen bei Diabetikern. Die internationale Fachliteratur berichtet übereinstimmend über eine starke Zunahme von Amputationen im Zusammenhang mit Diabetes. Die hyperbare Sauerstofftherapie wirkt auf die bakterielle Mischflora, vor allem auf anaerobe Bakterien, grenzt nekrotische, kolliquierte Gewebebereiche gut von regenerierbaren Gewebebereichen ab und fördert die Gewebereparatur, sobald die Infektionen unter Kontrolle sind. Die HBO ist eine bevorzugte Therapie für ischämische diabetische Geschwüre bei wirksamer Durchblutung (systolischer arterieller Druck am Fußknöchel > 40 mmHg). Bevor der Patient mit der hyperbaren Sauerstofftherapie beginnt, ist eine vaskuläre Untersuchung mit angemessener Diagnose erforderlich, wobei eine mögliche chirurgische Revaskularisation zu prüfen ist. Die transkutane Oxymetrie (pTcO2) misst die Sauerstoffversorgung der von der Infektion betroffenen Gewebe und führt zu einer korrekten HBO-Anwendung. Bei schweren ischämischen diabetischen Geschwüren (Grad 3-5 nach Wagner oder II B, C, D und III A, B, C, D nach der Klassifikation der Texas University) mit hohem Amputationsrisiko ist die HBO eine bevorzugte therapeutische Maßnahme. Die feuchte Gangrän muss dringend mit HBO behandelt werden, auch schon vor einer möglichen Revaskularisation, damit bestmögliche Ergebnisse erzielt werden können. Die HBO ist bei neuropathischen Geschwüren förderlich. Dabei muss der Patient zunächst einer chirurgischen Wundtoilette unterzogen werden, um die Entwicklung anaerober Keime auf ein Minimum zu reduzieren und die Abgrenzung der nekrotischen, kolliquierten Bereiche zu ermöglichen. Eine Auswertung der Ergebnisse während der laufenden Therapie ist zu berücksichtigen.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Risiko-Haut- und Weichteiltransplantante” ]Transplantate, bei denen eine Abnahme des Mikrokreislaufs begonnen hat und ein Zustand der Hypoxie eintritt bzw. bei denen die Gefahr solcher Komplikationen hoch ist (bei Patienten mit Diabetes, Arterien- und Herzerkrankungen oder Blutarmut). Damit die hyperbare Sauerstofftherapie ihre maximale Wirksamkeit entfalten kann, muss sie sofort begonnen werden, sobald erste Leidensanzeichen am Weichteil auftreten, bzw. bei gefährdeten Patienten vorzugsweise innerhalb von 36 Stunden nach Eintritt der Ischämie. Die Vitalität des Weichteils kann mit Hilfe der transkutanen Oxymetrie bestimmt werden bzw. auf dem klinischen Urteil des Arztes beruhen. 10-20 Sitzungen können für die Behebung der Hypoxie notwendig sein.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Replantation von Gliedmassen oder Segmenten” ]Eine solche Replantation ist ein dringend/im Notfall durchgeführter mikrochirurgischer Eingriff, bei dem die Zusammenarbeit diverser Fachärzte und Spezialisten erforderlich ist. Häufig kann es zu Komplikationen mit unmittelbaren allgemeinen Problemen (systemische Infektionen, Sepsis, Schock, Nierenversagen) oder lokalen Problemen (lokale Infektionen, Thrombose) bzw. später auftretenden Problemen (partielle Nekrose, Lähmung) kommen. 5 % der Replantationen größerer Gliedmaßenabschnitte und 20-30 % der Replantationen von Fingern und Zehen scheitern. Die hyperbare Sauerstofftherapie wirkt sowohl bei der Minimierung von Komplikationen als auch bei der Steigerung des Anteils erfolgreicher Replantationen von Gliedmaßen oder Segmenten und auch bei der Reduktion der durch Ischämie/Reperfusion bedingten Schäden unterstützend. Es ist wichtig, die Therapie schnell nach dem Ereignis aufzunehmen, vor allem in den Fällen, in denen die Ischämie länger als 4 Stunden bei der Amputation einer Gliedmaße bzw. länger als 8 Stunden bei der Amputation eines Fingers bzw. Zehs gedauert hat.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Plötzlicher Hörsturz und Hörverlust” ]Partieller oder totaler, sekundärer Hörsturz nach Ischämie/Ödem mit thromboembolischer, traumatischer oder infektionsbedingter Ursache, der in einem Zeitraum von 12-36 Stunden mit einem Verlust von mindestens 30dB auf einer oder mehreren Frequenzen eintritt. Bei Patienten, die innerhalb von 5-7 Tagen nach dem Auftreten des Hörverlustes mit der hyperbaren Sauerstofftherapie beginnen, werden die besten Ergebnisse erzielt. Allerdings können auch Patienten, die spätestens 3 Monate nach dem Hörsturz behandelt werden, noch auf die hyperbare Sauerstofftherapie ansprechen (am besten innerhalb von 30 Tagen). Der anfängliche Zyklus umfasst mindestens 15 Sitzungen mit audiometrischer Untersuchung und Kontrollvisite am Ende. Eine Verbesserung von 10 dB in einem der vom Hörsturz betroffenen Frequenzbereiche begünstigt eine Verlängerung der Therapie bis 24-26 Sitzungen. Die hyperbare Sauerstofftherapie ist nicht für die Behandlung von Tinnitus und stabilisierter und ausgeprägter Schwerhörigkeit geeignet. Unter Hörverlust leidende Patienten müssen zunächst von einem Facharzt untersucht und einer audiometrischen Untersuchung unterzogen werden. Die Indikation erklärt sich aus der Eigenheit der Hörschnecke, einem Organ mit riesigem Sauerstoffbedarf und -konsum. Die Hörschnecke ist das Organ des menschlichen Körpers mit dem größten Sauerstoffkonsum und befindet sich in einer anatomisch privilegierten Position, da die Sauerstoffdiffusion direkt durch die Fenster des Mittelohrs erfolgt. Die Indikation zur HBO ist deshalb zwingend, allerdings unter der Bedingung, dass sie so schnell wie möglich begonnen werden kann. Je mehr Zeit vergeht, umso stärker verschlechtert sich die Prognose, und mit der HBO können keine zufriedenstellenden Ergebnisse mehr erzielt werden.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Hautgeschwüre durch Aarterielle, Venöse und Posttraumatische Insuffizienz” ]Erkrankungen mit unterschiedlicher Ätiologie, die tendenziell nicht spontan heilen. In einer solchen Situation ist es notwendig, eine vaskuläre Untersuchung am Patienten mit diagnostischem Verfahren durchzuführen, bevor der Patient mit der HBO beginnen kann. Die Beurteilung einer möglichen chirurgischen Revaskularisation ist im Fall einer arteriellen oder gemischten Insuffizienz erforderlich. Bei Patienten mit venösen Geschwüren muss eine elastische Kompression des Beins erfolgen, bevor der Patient mit der HBO beginnen kann.
Die hyperbare Sauerstofftherapie ist die Indikation bei hypoxischen und infizierten Hautgeschwüren bei ausreichender Durchblutung. Die Wunde wird nämlich bei einer Verlangsamung oder Blockierung der physiologischen Gewebereparaturvorgänge, bei geringer Sauerstoffzufuhr oder bei zu starkem Sauerstoffverbrauch (wie bei Superinfektionen von Wunden) oder bei Prozessen mit hoher Stoffwechselrate (wie bei schweren Traumen oder Entzündungserkrankungen) hypoxisch. Alle traumatischen Verletzungen weisen Anzeichen von Ischämie und Hypoxie aufgrund des Durchblutungsstaus und des dadurch verursachten Ödems auf. Die Sauerstoffmengen im Gewebe sind unzureichend und werden durch die Entzündung weiter vermindert.
Der hyperbare Sauerstoff, der sich direkt im Gewebe verbreitet, ersetzt vollkommen den Sauerstoff, der ansonsten von den roten Blutkörperchen transportiert wird. Damit wird die ineffiziente Zirkulation ersetzt und das Ödem in diesem Bereich reduziert. Auf diese Weise wird der Heilungsprozess der Gewebe unterstützt, die auch dank der Stabilisierung des Kollagens schneller vernarben.
Die HBO wird als Therapie bei durch Arterienerkrankungen bedingten Geschwüren mit hoher Amputationsgefahr eingesetzt und hilft bei therapierefraktären Infektionen von Wunden oder bei der Vorbereitung eines Geschwürs auf die Rekonstruktionsverfahren. Die transkutane Oxymetrie ist nützlich, um potenzielle Patienten für die hyperbare Sauerstofftherapie auszuwählen und misst die Therapiewirksamkeit während und am Ende des Therapiezyklus. Eine Indikation zur hyperbaren Sauerstofftherapie gibt es für alle Verletzungen, die ein lokales oder abschnittsbezogenes Kreislaufdefizit aufweisen, vor allem, wenn diese mit Diabetes und/oder arteriellen Verschlusskrankheiten verbunden sind. Generell wird ein Zyklus mit durchschnittlich 30-40 Sitzungen vorgeschlagen.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Therapierefraktäre Chronische Osteomyelitis” ]
Eine andauernde Knocheninfektion nach mindestens 6-wöchiger gezielter Antibiotikatherapie und mindestens einer chirurgischen Reinigung der Wunde. Die Schwere der Verletzungen hängt von dem Befall des kortikalen Knochens und des Knochenmarks und der Größe der Infektion ab; entscheidend ist der vaskuläre und immunitäre Zustand des Patienten. Behandelt werden Patienten mit einem Befall des kortikalen Knochens und des Knochenmarks mit etwaiger Präsenz von Fisteln und/oder Knochensequestern. Patienten mit vaskulären Problemen, Diabetes und Erkrankungen des Immunsystems ziehen die größten Vorteile aus der hyperbaren Sauerstofftherapie. Diese verstärkt in diesem Fall die Wirksamkeit die Behandlung der Infektion, die die Sauerstoffspannung im infizierten Knochen reduziert, die wiederum zu Azidose führt und damit die Wirkung der Antibiotika verhindert. Die HBO fördert die Wirkung der Antibiotika und steigert die unspezifischen Abwehrkräfte des Patienten über eine bessere Funktionsfähigkeit der Zell-Immunität. Außerdem kann die durch die hyperbare Sauerstofftherapie angeregte Neoangiogenese eine dauerhafte strukturelle anatomische Veränderung bedingen, mit der höhere und zeitlich stabilere Sauerstoffpartialdruckwerte, eine Förderung der Osteoblastenaktivität und eine Anregung der Kollagenoproduktion durch die Fibroblasten erzielt werden können.
Die hyperbare Sauerstofftherapie kann vor der chirurgischen Reinigung (durchschnittlich 40 Sitzungen) oder danach (durchschnittlich 20 Sitzungen) erfolgen. In einigen Fällen wirkt sie nur therapieunterstützend, wenn der chirurgische Eingriff aus technischen Gründen bzw. aufgrund des allgemeinen Patientenzustandes nicht durchgeführt werden kann. In diesem Fall, wie zum Beispiel bei Protheseninfektionen, soll die Therapie chronische Knocheninfektionsschübe hemmen.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Aseptische Knochennekrose” ]Eine zur Knochennekrose führende Zerstörung des Knochengewebes, die in Folge einer drastischen Reduzierung der für den Knochenstoffwechsel notwendigen Sauerstoffzufuhr eintritt.
Die Nekrose des Oberschenkelhüftkopfes ist in allen Fällen mit einem Gefäßschaden verbunden, bedingt durch die Besonderheit der Enddurchblutung des Oberschenkelknochenendstücks, die eine Hypoxie und folglich ein Ödem im nicht dehnbaren Gewebe zur Folge hat. Das Ansteigen des lokalen Drucks verschlechtert die Hypoxie und kann zur Nekrose führen. Normalerweise bleibt die Ursache unbestimmt, kann aber mit früheren Traumen oder Therapien mit Corticosteroiden in Verbindung gebracht werden. Betroffen sind die großen, normalerweise belasteten Gelenke, wie Hüfte, Knie und Fußknöchel. Die HBO stellt somit eine wichtige Therapie für diese Erkrankung dar, die den Prozess hemmt und die Osteogenese unterstützt, die notwendig ist, um das nekrotische Gewebe zu ersetzen, da sowohl für den Stoffwechsel der Osteoklasten als auch für den der Osteoblasten eine große Sauerstoffmenge unentbehrlich ist. Die Therapie erfolgt in den ersten Krankheitsstadien, in denen das Gelenk noch anatomisch unversehrt ist. Bei einer avaskulären Nekrose des Femurkopfs gilt die Indikation schon im Anfangsstadium (Stadium1-2A und 2B nach Ficat oder Stadium 1-2 nach Steinberg), welches durch Röntgenaufnahmen und Magnetresonanz belegt ist. Die Behandlung anderer Bereiche erfolgt, wenn noch die anatomische Integrität des betroffenen Knochens gegeben ist. Auch für Brüche an Oberschenkelkopf, Oberarmkopf oder Sprunggelenk (vor allem nach der Implantation von Osteosynthesematerial), die aufgrund der hohen Gefahr einer Entwicklung in Richtung aseptische Knochennekrose als Knochennekrose im Stadium 0 definiert werden können, ist die hyperbare Sauerstofftherapie sicher von Vorteil. Der Therapiezyklus umfasst durchschnittlich 60-90 Sitzungen. Danach ist eine Neubeurteilung durch einen Facharzt notwendig. Nützlich ist die Entlastung des betroffenen Gelenks, sowie andere pharmakologische (Alendronate, Biphosphonate) und physikalische therapeutische Eingriffe (pulsierte elektromagnetische Felder), die im Ermessen des Orthopäden liegen. Eine instrumentelle Kontrolle mit Magnetresonanz zur Bewertung der Therapiewirksamkeit ist vier Monate nach Behandlungsende empfehlenswert.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Algodystrophie (morbus Sudeck)” ]Erkrankung eines Gelenks in Verbindung mit einer Reihe von Symptomen, die sich in starken Schmerzen, Schwellung der Weichgewebe, Veränderung der Hautfarbe, fehlender bzw. zu starker Schweißsekretion, lokaler Osteoporose und vasomotorischen autonomen Funktionsstörungen mit folgender Funktionsbeeinträchtigung des betroffenen Gelenks äußern. Bei diesem Syndrom, dessen Ursachen noch nicht genau definiert sind, ist die örtliche Hypoxie ein wichtiger Faktor, der den Einsatz der hyperbaren Sauerstofftherapie rechtfertigt, noch bevor es zur Entwicklung einer aseptischen Knochennekrose kommt, mit der die Erkrankung in ihren schweren und fortgeschrittenen Formen einhergeht.
Die Tatsache, dass die posttraumatische Osteoporose vorwiegend eine vaskuläre Schädigung mit gesteigerter Osteoklastenaktivität ist, sowie das durch diese vaskuläre Störung veränderte Kalzium-Phosphor-Gleichgewicht sind Überlegungen, die für eine Behandlung mit hyperbarer Sauerstofftherapie sprechen. Die HBO aktiviert den Mineralisierungsprozess und korrigiert die vaskuläre Stase. Der Therapiezyklus umfasst 30-40 Sitzungen mit einer abschließenden Neubeurteilung. Die Therapie kann im Ermessen des Orthopäden gleichzeitig mit anderen pharmakologischen (Alendronate, Biphosphonate) und physikalischen therapeutischen Eingriffen (pulsierte elektromagnetische Felder) erfolgen. Nützlich ist die Entlastung des betroffenen Gelenks.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Risiko-Frakturen” ]Als Risiko-Frakturen werden geschlossene Frakturen mit terminaler Vaskularisation und offene Frakturen an allen anderen Knochen definiert. Im ersteren Fall besteht die Gefahr der aseptischen Knochennekrose bei Brüchen von Oberschenkelhals und –kopf, Oberarmkopf und Sprunggelenk. Offene Frakturen können je nach Ausmaß der Öffnung, dem allgemeinen Zustand des Patienten, dem mit der Fraktur verbundenen Substanzverlust und der Notwendigkeit einer Osteosynthese zu septischen Komplikationen oder Pseudarthrose führen. Die hyperbare Sauerstofftherapie kann bei schwerem Befall der Weichgewebe an den ersten 5-6 Tagen auch zweimal täglich erfolgen. Auch in diesem Fall ist eine Beurteilung des Patienten erforderlich, um die richtige HBO-Behandlung zu beschließen. Gegebenenfalls ist beim Auftreten von Infektionen (Osteomyelitis) oder akuten ischämischen Komplikationen (die mit Hilfe der transkutanen Oxymetrie bewertet werden können) auch eine Neubeurteilung durch einen Orthopäden bzw. Gefäßchirurgen notwendig. Bei dieser Art von Risiko-Frakturen entfaltet die hyperbare Sauerstofftherapie eine antibakterielle Wirkung, fördert die Fibroblastenproliferation und die Osteoblastenaktivität. Dabei wird auch in einem hypovaskularisierten Bereich wie dem Knochen ein optimaler Sauerstoffpartialdruck aufrecht erhalten und letztendlich die Kalzifikation beschleunigt.[/wpspoiler]
Empfehlungen des 3. Typs (Kategorie 3)
OPTIONAL.Geringe Indikation unterstuetzt von existierender, aber schwacher Evidenz
[wpspoiler name=”Zahnbetterkrankungen” ]Infektion des Zahlhalteapparats (Zahnfleisch, Wurzelhaut, Zahnzement, Zahnfach).
Die hyperbare Sauerstofftherapie ist zur Behandlung schwerer chronischer Parodontitis mit Tendenz zu erneuten Schüben auch nach zahnärztlicher Behandlung angezeigt (Reinigung der Zahnoberfläche und Wurzelglättung). Generell kann ein Therapiezyklus mit 10-16 Sitzungen und einer fachärztlichen Neubeurteilung und Kontrolle der klinischen periodontalen Parameter ausreichen.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Retinopathie pigmentosa (SIMSI-SIAARTI-Leitlinien 2007)” ]Progressive bilaterale Netzhautdegeneration, die zur vollkommenen Erblindung führen kann.
Für eine Aufnahme der HBO-Behandlung ist eine frühzeitige Diagnose der Retinitis pigmentosa erforderlich.
Die Therapievorgaben sehen mindestens 20 Behandlungen im ersten Monat und danach 5 Sitzungen monatlich alle 3-4 Monate vor.[/wpspoiler]
[wpspoiler name=”Andere Patologien” ]Zahnbetterkrankungen, intrakranielle Abszesse, akutes postanoxisches Hirnödem, Rückenmarktrauma, vasomotorische Kopfschmerzen, diabetische Retinitis, zerebrovaskuläre Unfälle, Schließmuskelstörungen bei multipler Sklerose, pseudomembranöse Kolitis.[/wpspoiler]



